Themenschwerpunkt

Seit der Gründung des FARSe war es der Stadt Straßburg ein Anliegen, dem Festival eine besondere Dimension zu verleihen, indem sie dessen Planung einem Künstler bzw. einer Künstlerin anvertraute.

Das zweite Jahr in Folge wird Lucile RIMBERT das Festival gestalten.

Ausführungen der künstlerischen Leiterin des Straßburger Straßenkunstfestivals

Man muss heutzutage stark sein, um emotionslos den Anblick von Armut, sozialer Ungerechtigkeit, Lügen und Arroganz hinnehmen zu können, der alle großen Städte der Welt vergiftet, man darf nicht sensibel sein. Die emanzipatorische Funktion der Kunst verbirgt sich jedoch gerade in diesem Schritt zur Seite, in dieser Bewegung zur Sensibilität und zum Individuum.

Für uns Schauspieler*innen auf der Straße ist der öffentliche Raum in erster Linie ein Bereich der Möglichkeiten, in dem unsere Verhaltensweisen im Alltag einen neuen Zauber bekommen können, der zu einem Schritt zur Seite einlädt, damit wir unser Leben wieder sehen und es neu erfinden können. In dem wir uns mit jedem Einzelnen beschäftigen, mit Bewohnern oder Durchreisenden, mit der Architektur, dem Wetter und der Landschaft. In dem eine fruchtbare Unordnung das Gewöhnliche verwandelt: Ein Strand wird zur Manege, ein Gebäude zu einem Turngerät, ein Caddy zu einem Radio.

Also, in unserer Stadt werden wir uns etwas Zeit nehmen,
wir werden ein bisschen anders atmen,
nur ein kleines bisschen stärker,
nur ein wenig langsamer,
um der Gewohnheit abzuschwören.
Wir werden über das Stadtzentrum hinausgehen,
werden die Gleichgültigkeit abschütteln
und unsere Sichtweise ändern.

Und wir werden gemeinsam in unsere imaginären Städte eintauchen, die pluralistisch und künstlerisch werden.

Lucile Rimbert

Künstlerische Leiterin des Straßburger Straßenkunstfestivals 2021